Lesson 1, Topic 1
In Progress

Verändern der Einstellung

Das Wichtigste ist, nicht länger unwissend zu sein und aktiv zu werden. Einige nehmen dieses „take action“ wörtlich und legen ihre Schiffe vor den Bug von Walfängern oder besetzen Ölplattformen. Die normale Taucherin, der durchschnittliche Taucher ist allerdings kein Sea Shepherd- oder Greenpeace Campaigner. Das bedeutet nicht, das Taucher keinen Unterschied machen können. Können sie. Einige „bottom up“ – Aktionen können sogar sehr viel Spaß machen.

In diesem Kapitel starten wir mit Maßnahmen, die du kaum beeinflussen kannst: die (intern)nationalen Gesetzgebungs- und Schutzprogramme. Das nennen wir den „top down“-Ansatz.

Dann schauen wir uns an, was (Tauch-)Gemeinschaften tun können, den „bottom up“-Ansatz.

  • Top down

Fast jedes Land hat einige Regeln, um Verschmutzung zu verhindern. Manchmal wirken sie, manchmal nicht. Insbesondere wenn es um internationale Gewässer geht, ist es schwierig, effektive Maßnahmen zu ergreifen. Niemand besitzt sie, daher scheint niemand verantwortlich zu sein.

Das scheint so, denn es gibt Optionen. Regierungen können entscheiden, was von der Küste entnommen wird, was zurückgebracht werden muss, und was man dem Meer nicht wegnehmen kann.

Ron Offermans - Control Dumping
Ron Offermans – Müllentsorgung kontrollieren

Einige Beispiele: strikte Kontrolle verschiffter Chemikalien wird illegale Verklappung begrenzen, der Müll von Kreuzfahrtschiffen kann dem Recycling zugeführt werden und Handel mit Tierprodukten (siehe Korallen oder Schildkrötenpanzer) kann verboten werden.

Hier erwähnen wir zwei top down – Beispiele, die unsere Sporttaucher-Welt direkt beeinflussen, eines aus Europa, das andere aus den USA.

In Europa gibt es Natura 2000. Es ist das größte koordinierte Netzwerk von Schutzgebieten auf der Welt. Es bietet eine Zuflucht und Oase für Europas wertvollste und am meisten bedrohte Arten und Habitate. Natura 2000 erstreckt sich über 18% der Landgebiete der EU und fast 6% seines Meeres-Territoriums.

Natura 2000 ist kein System der strikten Naturreservate, von denen alle menschlichen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Während streng geschützte Naturreservate enthalten sind, bleibt der größte Teil des Landes in Privatbesitz. Der Ansatz für Schutz und nachhaltige Nutzung in Natura 2000 – Gebieten fasst viel weiter, ist weitgehend ausgerichtet darauf, dass Menschen mit der Natur arbeiten anstatt gegen sie. Dennoch müssen die Mitgliedsstaaten sicherstellen, dass die Gebiete in einer nachhaltigen Form verwaltet werden, sowohl ökologisch als auch ökonomisch.1

Im Hinblick auf Biodiversität verfolgen sie sechs Ziele. Fünf davon beziehen sich direkt auf unserer Tauchgründe:

  • Arten und Habitate schützen
  • Ökosysteme erhalten und wiederherstellen
  • Fischerei nachhaltiger und Meere gesünder werden lassen
  • Invasive fremde Arten bekämpfen
  • Dazu beitragen, den Verlust der globalen Diversität zu stoppen

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1 See also the origin of this text: the Natura 2000 website: http://ec.europa.eu/environment/nature/natura2000/index_en.htm

Damit scheint nur das Ziel für nachhaltige Land- und Forstwirtschaft das Tauchen nicht zu betreffen. Und eigentlich stimmt sogar das nicht. Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft impliziert zumindest die Reduktion von Agro-Chemikalien, und damit geringere Verschmutzung von Süßwasserseen und Flüssen. Da die Nature 2000- Direktive in allen EU-Mitgliedsstaaten anwendbar ist, sind Teile der Karibik ebenfalls geschützt.

Die EU-Website liefert eine Menge Informationen, unter anderem die Ziele für die nahe Zukunft.

In den USA ist NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) eine Regierungsorganisation mit Aufsichtsfunktion über eine große Zahl von Schutzgebieten sowohl auf der Atlantischen als auf der Pazifischen Seite des Landes.

Auch wenn Mexiko die Ehre hat, mit #Schutzmaßnahmen begonnen zu haben, haben die USA in den letzten Jahrzehnten weitreichende Gesetzgebung verabschiedet, um gefährdete Gebiete zu schützen. Auch wenn die Durchsetzung in den ausgedehnten Küstengebieten ein größeres Problem darstellt (und das nicht nur in den USA), ist es offensichtlich, dass die Arbeit Auswirkungen hat. Der Zustand der Kelpwälder im Pazifik hat sich verbessert und den Säugern in diesen Gewässern geht es besser als anderswo auf der Welt.

Die Webseiten der Schutzgebiete sind ein Lesevergnügen und geben eine Menge Informationen, die für uns Taucher hilfreich sind.

  • Action bottom up

Oft wird gesagt: welchen Unterschied macht schon ein Taucher? Die ehrliche Antwort ist: „kaum einen“. Aber es gibt nicht den „einen“ Taucher, *und die „andere“ Taucherin. Es gibt Millionen von uns, und da ist Handeln wichtig.

Rob Kool - pufferfish bullying
Rob Kool – Kugelfisch necken

Das erste, das du tun kannst – und das nicht sofort mit Schutzmaßnahmen in Verbindung gebracht wird – ist, ausgezeichnete Tauchkenntnisse zu haben.

Tarieren ist Nummer eins. Bleibe vom Gewässerboden weg, und wenn du fotografierst, nutze dein Tarierjacket, um dich vom Objekt zu entfernen, nicht deine Flossen.

Der Abstieg ist ein weiteres Element. Anfänger tendieren dazu, abzutauchen, bis sie irgend etwas unter ihren Füßen spüren. Zunächst mal wirst du mehr Spaß haben, wenn du dich umschaust bevor du „auf dem Boden aufschlägst“. Die meisten Lebensräume werden geschädigt, wenn sie von schweren Objekten wie Tauchern getroffen werden.

Dann ist da der „Frog kick“, der – sorgfältig ausgeführt – als Flossenschlag besser geeignet ist, wenn du dem Boden näher kommst. Denk darüber nach und entscheide, wo du dich verbessern kannst. Ein Beispiel ist die Story des Tauchlehrers, der sagte: sie machten einen exzellenten Job, bis sie die Tauchboje auslösen mussten. Die erste Aktion war, die Leinen in den Korallen verheddern zu lassen.

Der nächste Schritt ist, zum Zustand der Umwelt beizutragen. Es beginnt einfach: lasse nichts zurück, was dort nicht hingehört. Sowohl unter der Wasseroberfläche als auch am Strand. Denke daran, jede Verunreinigung wird irgendwann ins Wasser gewaschen werden: Dosen, Becher, Flaschen etc.

Cor Kuyvenhoven - Unnecessary Catch
Cor Kuyvenhoven – Unnötiger Fang

Dann kannst du aktiver werden: nimm Müll vom Tauchplatz mit und entsorge alles auf die richtige Weise.

Nach den Einzelaktionen kannst du zum Beispiel werden. Lehne alle Einweg-Plastiktüten, Becher und -Flaschen an Tauchplätzen ab. In Europa sehen wir Veränderungen in der Gesetzgebung: Wenn du Plastik willst, musst du dafür zahlen. An anderen Orten auf der Welt können wir zeigen, dass es auch ohne geht.

Nimm nie und nimmer verbotene Tier- oder Pflanzenprodukte mit nach Hause. Haizähne, Schildkrötenpanzer, Korallen, getrocknete Krebse etc. sind nur einige Beispiele. Wenn sie bei Rückkehr in dein Heimatland entdeckt werden, kann das heftige Strafen nach sich ziehen.

Kees Kassenberg
Kees Kassenberg – Greenpeace-Taucher im Wasser während der Forschung an der Cleaver Bank mitten in der Nordsee. Ziel ist es, den aktuellen Zustand des Meeresbodens und des Meereslebens zu erforschen. Die Cleaver Bank hat laut Greenpeace die höchste Biodiversität in der niederländischen Nordsee und wurde durch jahrelange intensive Fischerei stark geschädigt. Im Hintergrund ist der Arctic Sunrise zu sehen.

Wähle Tauchbasis – oder Bootsbetreiber, die umweltfreundlich sind. Boote, die in Riffen ankern, sollten längst passe´ sein. Dasselbe gilt für Abfall: nimm alles mit zurück ans Ufer.

Du kannst beim Schutz der Ökosysteme ebenfalls eine Rolle spielen. Das kann passiv geschehen, zum Beispiel durch Unterstützung von NGO´s wie dem World Wildlife Fund, Greenpeace, Sea Shepherd oder nationalen und lokalen Gruppen.

Du kannst auch aktiv an Monitoring und Überprüfung bestimmter Plätze teilnehmen und dich an lokalen Cleanups und Sanierungsaktionen beteiligen.

Es gibt bereits Unternehmen, die mit zurückgewonnenem Material arbeiten, wie Fischernetze und Blei. Du kannst Garn und sogar Socken kaufen, die auf „Müll“ basieren.

ob Kool - Seashepard Bob Barker
Rob Kool – Seashepard Bob Barker

Ein Beispiel für Unterwasser-Aktionen: Projekt Baseline wächst schnell. In diesem Projekt kümmern sich lokale Gruppen um ihre Tauchplätze vor Ort.

Websites:

Project Baseline: http://www.projectbaseline.org/